Archiv für das Tag Cyclassics

Wir spenden Leben rockten die Cyclassics!

Geschrieben von bikeblogger am 8. September 2011 | Abgelegt unter Jedermann-Rennen

Sonntag, 21. August 2011: Das Team Wir spenden Leben am Start der Vattenfall Cyclassics 2011.

Thorsten Schröder / Marc Bator (Tagesschau) © Upsolut/Hochzwei

 

Mit insgesamt 14 Starterinnen und Startern starteten wir auf allen Strecken und in allen Kategorien (55/100/155 km, sowie alle VIP-Wertungen)!

Einen guten Eindruck von der Startphase vermittelt dieser Film (das WsL-Team ist ab  ca. 02:48 zu sehen):

Die Anreise

Schon Freitag hatten Britta und ich ein Hotel in Harburg bezogen. Samstag stand die Akkreditierung und anschließend der Besuch auf der Cyclassics-Messe auf dem Programm. Unter Anderem hatte ich mich fĂŒr die Standbetreuung unseres Teams einteilen lassen. Unser Dank gilt dem ADFC Hamburg fĂŒr die freundliche Überlassung eines Teils des ADFC-Standes!

v.l.n.r.: Kurt Bodewig, Andrea, Pooky, Jörg

Nach einem leckeren, aber besucherbedingt sehr lauten Team-Abendessen im La Prego mussten abends noch die RĂ€der und die Bekleidung fĂŒr das Rennen vorbereitete werden. LaufrĂ€der einbauen, aufpumpen, letzter Funktionscheck. Dies besonders, da ich gerade eine neue Kette montiert hatte und diese noch nicht testen konnte. Gegen 00:30 Uhr war alles bereit – und wir todmĂŒde. Nicht einmal mehr fĂŒnf Stunden Schlaf lagen vor uns.

Der Start

Dennoch war es kein Problem, kurz vor Sieben bei der Kleiderabgabe zu sein. Ein paar Minuten spÀter kamen wir am Start der 100/155 km-Strecke in Startblock C an. Allerdings war vom Team weit und breit noch nichts zu sehen. Britta verabschiedete sich, sie musste eine halbe Stunde spÀter in ihrem Startblock sein.

Nach und nach trafen unsere Mitstreiter ein. Der Start stand kurz bevor. Das Einklicken hunderter Schuhe gab uns das Signal. Ein paar Sekunden spĂ€ter ging es los. Ein paar hundert Meter “neutralisiert”, da noch ohne Zeitmessung, forcierten wir gleich hinter dem Start das Tempo. Harry hatte sich eine klare Vorgabe gesetzt: 40er Schnitt. Da ich in den letzten drei Wochen zu wenig trainiert hatte stand fĂŒr mich nur das Durchhalten auf dem Programm. Ich hatte also keinen Druck, was mir gut tat. Auf dem Weg zur HufelandbrĂŒcke ging das Tempo auf ĂŒber 40 km/h hoch. Noch recht angenehm, aber mit kalten Muskeln nur bedingt steigerbar. Mein Tacho entschied sich wĂ€hrenddessen, vorlĂ€ufig zu pausieren. Ich hatte also keinen Anhaltspunkt mehr ĂŒber Geschwindigkeit und zurĂŒckgelegte Strecke.

Dann die – von Vielen gefĂŒrchtete – BrĂŒcke. Ich hatte natĂŒrlich Respekt, da ich sie noch nicht einmal vom Sehen kannte. Als wir uns der BrĂŒcke nĂ€herten verlor ich diesen schnell. Ein Anstieg, klar, aber nichts, was man nicht auch anderswo finden könnte. FĂŒr meinen Geschmack zu langsam ging es mit 30 km/h hinauf. Harry hatte sich schon vorgearbeitet, was mir nicht gelang. Da ich nicht wusste, was ich heute wĂŒrde leisten können, hielt ich mich bewusst etwas zurĂŒck.

Auf dem Weg nach Harburg merkte ich, dass es “lief”. Auch Geschwindigkeiten von 45-46 km/h ließen mich unbeeindruckt. Die Frage, ob ich die Strecke schaffen wĂŒrde, wurde nebensĂ€chlich.

Flotte Fahrt nach SĂŒden

Mein grĂ¶ĂŸtes Handicap war jetzt hauptsĂ€chlich das Peloton: in einer Gruppe von mehreren Hundert Fahrern lĂ€sst es sich zwar gut rollen, viele Möglichkeiten, das Tempo bewusst zu variieren, bieten sich jedoch nicht. Die Gruppe fuhr wie ein Block: flott, aber starr und undurchdringlich. Nur auf Abfahrten und nach Kurven bot sich fĂŒr mich die Möglichkeit, PlĂ€tze gut zu machen, da die Mitfahrer es hier eher gemĂ€chlich angehen ließen. Es bildete sich zufĂ€llig so etwas wie eine Berliner Gruppe: hier ein Fahrer vom ESK, dort einer im Berlintrikot, zwischendurch mehrere Fahrer des Teams Helle Mitte Berlin.

Mein Tacho spielte jetzt auch wieder mit – nach einer 8 Kilometer-Pause. Bei km 50 war ich so weit an die Spitzengruppe des Blocks herangekommen, dass ich auch Harry wieder sehen konnte. Einige km spĂ€ter konnte ich dann endlich aufschließen. An Tempo machen war weiterhin nicht zu denken. Harry hatte eine Zeit lang vorne mitgearbeitet, war jedoch immer wieder von der Gruppe eingefangen und abgebremst worden. Also beließen wir es beim Mitrollen.

Block B

Pooky, Frank © Upsolut/Hochzwei

Auf dem “RĂŒck”-Weg nach Hamburg kam dann das Feld von Block B in Sicht. FĂŒr uns war klar, dass wir sie “stellen” mussten. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis wir sie erreichten. Was ich nicht bedacht hatte: die von uns eingeholten Fahrer waren deutlich langsamer unterwegs als wir, was zu einem unharmonischen Block fĂŒhrte, der eine fast schon kritische GrĂ¶ĂŸe erreicht hatte. Mehrere UnfĂ€lle, die zum Teil direkt vor oder neben mir passierten, waren die Folge. Auf den nĂ€chsten Kilometern war Sicherheit daher fĂŒr mich höchstes Gebot. Dann wieder in Hamburg – fĂŒr mich (auch wegen der Tachoprobleme) unerwartet. Harry hatte ich aus den Augen verloren. Ich fĂŒrchtete, dass er in einen der UnfĂ€lle verwickelt worden sein könnte. Die Feldertrennung: die 100er fuhren zum Ziel, die 155er auf die Strecke der 55er, die inzwischen zum grĂ¶ĂŸten Teil im Ziel waren.

 

Die “kleine” Schleife: Fahrt im Wind und Belgischer Kreisel

Plötzlich wurde aus dem Block mit einem traumhaften Windschatten eine dĂŒnne Kette einzelner Fahrer oder kleiner GrĂŒppchen, die sich auf den Weg zur kleinen Schleife begaben. Um das Tempo zu halten musste jetzt gearbeitet werden. Plötzlich sah ich auf der rechten Seite “unser” Trikot: Thorsten Schröder stand am Rand und hielt einen Plausch. Zeit wollte ich nicht verlieren, also brĂŒllte ich nur “Thorsten, komm mit!”.

50 Meter vor mir fuhr eine kleinere Gruppe. Ohne Windschatten zu fahren war nicht mein Ziel, also musste ich da ran. Ich beschleunigte, fuhr mit einem Irrsinnstempo die LĂŒcke zu. Dann hatte ich sie. Harry war auch wieder da. Ihm war also doch nichts passiert. Bald kam auch Thorsten. Die Gruppe wurde grĂ¶ĂŸer, die Kraftanstrengung beim Zufahren der LĂŒcke hatte sich also gelohnt. Dieses GefĂŒhl sollte mich aber trĂŒgen: bald schon ging das Tempo wieder auf 35 km/h herunter. FĂŒr mich ging das gar nicht. Ich fuhr wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Ich ĂŒbernahm die FĂŒhrung und gab Stoff. Über 45 km/h – ich wollte die langsame Gruppe loswerden oder einzelne schnelle Fahrer mitziehen. Bremser konnte ich jetzt nicht mehr gebrauchen. Mein rechter Oberschenkel meldete sich, blieb aber weitgehend unauffĂ€llig.

© own work basierend auf dem Bild kreisel.gif von Benutzer: Head aus de.wikipedia.org

Ich bin jetzt allerdings nicht so vermessen, dass ich behaupten wĂŒrde, lange Zeit im Wind bei solcher Geschwindigkeit fahren zu können. Ich fuhr, bis ich sicher war, dass hinter mir nur noch schnelle Fahrer sein konnten und ließ mich dann zurĂŒckfallen. Schnell kam ein Belgischer Kreisel bei einem Tempo von knapp ĂŒber 40 km/h zustande. Da wir gegen den bestĂ€ndigen, wenn auch nicht starken Westwind fahren mussten, war dies die einzige Möglichkeit, schnell voranzukommen. FĂŒr mich ideal – was ich hier lernen durfte. Den Kreisel hatte ich nĂ€mlich nur aus BĂŒchern gekannt!

Über einige Kilometer funktionierte dies, bis weniger disziplinierte Fahrer den Kreisel sprengten.  Dennoch waren wir inzwischen genug Fahrer, um auch so ein angenehmes Tempo fahren zu können.

Bergwertung und Einbruch

© first foto factory

Ich hatte mein zwei Flaschen Apfelschorle aufgebraucht – Pausen kamen nicht in Frage. Im Trikot steckte noch eine Flasche, dummerweise nur mit Wasser. Meine Gels gingen auch zur Neige. Bananen hatte ich noch, diese empfand ich bei den gefahrenen Geschwindigkeiten jedoch als problematisch. Meine Muskeln wurden zunehmend hĂ€rter, sowohl die Waden wie auch meine Oberschenkel. Dann kam der Kösterberg – und mit ihm die Bergwertung. An sich ist der Kösterberg nicht problematisch, die 15 % Steigung haben eine ĂŒberschaubare LĂ€nge, so dass man ihn – einigermaßen trainiert – leicht ĂŒberwinden kann. Nach 130 km mit krampfenden Muskeln sieht dies jedoch anders aus. Ich fahre kleine Berge gern schnell hoch, so ging ich auch den Kösterberg an. Die Bergwertung, die hier stattfand, motivierte mich zusĂ€tzlich. Die meiste Zeit fuhr ich im Sitzen, dann wollte ich es wissen – und stand auf. Wiegetritt. Und sofort KrĂ€mpfe! Damit war die Bergwertung fĂŒr mich gelaufen. Ich musste Harry und einige Andere ziehen lassen. Dennoch nahm er mir nur 3 Sekunden ab – er legte es aber auch nicht darauf an, da wir noch nicht am Ziel waren.

 

Das Ziel

Auf dem Weg hinunter in Richtung Hamburg konnte ich mich wieder ein wenig erholen, aß eine Banane, trank die Wasserflasche fast aus. Nur war dies natĂŒrlich viel zu spĂ€t. StĂ€ndig kurz vor dem Krampf stehend fuhr ich weiter, sah zu, dass ich Windschatten fand. Als der einmal nicht da war, fiel mein Tempo bis auf 25 km/h ab. Die HĂŒgel hinter dem Kösterberg ließen es nicht zu, dass ich wieder zu KrĂ€ften kam. Ich quĂ€lte mich also in Richtung Altona, fuhr ĂŒber die Reeperbahn, sah das Schild “noch 3 km” – und gab noch einmal Gas – soweit es mit diesen Muskeln möglich war. In der Kaiser-Wilhem-Straße trafen wir dann auf die Finisher der 100km-Strecke. Dadurch wurde die Straße enger, an wirklich schnelles Fahren war kaum noch zu denken. Der letzte Kilometer, jetzt hieß es nur noch durchhalten. Die Zuschauer standen dicht an dicht, machten einen RiesenlĂ€rm – so wurde man förmlich ins Ziel getragen. Ob da jemand stand, den ich kannte? Ich sah Niemanden. War einfach nur glĂŒcklich. Riss die Arme hoch. Kurz nur, ich wollte jetzt nicht stĂŒrzen.

Also wieder an den Lenker, zum Jubeln musste der rechte Arm reichen.

© Britta MĂŒnster / BikeBlogBerlin

Die Ziellinie. Dann ausrollen. Transponder abgeben. Nicht umfallen – einfacher gesagt als getan. Meine Beine zitterten.

Hinter der Transponderabgabe stand Harry. Er war natĂŒrlich schon etwas lĂ€nger da, ca. 1 1/2 Minuten vor mir kam er ins Ziel.  Wir holten unsere Taschen, GetrĂ€nke, Bananen. Ich erreichte langsam wieder so etwas wie einen Normalzustand. Telefon: Britta und Nicole waren auch gut ins Ziel gekommen. Toll!

Wir trafen uns am Stand, erzĂ€hlten uns unsere “Abenteuer” – obwohl die meisten die kĂŒrzeren Strecken gefahren waren war die Menge der Erlebnisse und EindrĂŒcke durchaus vergleichbar. Dann die Info aus dem Internet: Harry und ich hatten die 40 km/h-Marke geknackt! Wir haben die Hansestadt gerockt!

v.l.n.r.: Britta, Nicole, Ralph © BikeBlogBerlin

Was aber wichtiger war: Alle waren ohne grĂ¶ĂŸere Blessuren ins Ziel gekommen, nur Jörg hatte einen (zum GlĂŒck leichten) Unfall, der ihn nicht am Weiterfahren hinderte.

 

Die Teamergebnisse im Überblick (nach Zieleinlauf sortiert):

Platz Pl.AK Name Ankunft Fahrzeit km/h ∅ Wertung
21 6 » Bodewig, Kurt 09:38:42 01:54:42 29.82 55 km VIP
697 225 » Strobel, Nicole 10:26:45 01:54:28 29.88 55 km
818 317 » MĂŒnster, Britta 10:29:16 01:56:58 29.24 55 km
1459 23 » Schlepphorst, Werner 10:37:33 02:41:14 38.18 100 km
1935 880 » Hartmann, Thomas 10:40:13 02:43:54 37.56 100 km
3016 1371 » Fuhrmann, Andreas 10:45:22 02:49:05 36.41 100 km
DSQ DSQ » Wittmann, Ralph 10:55:29 DSQ 34.26 100 km
18 9 » Cheung, Po Keung 11:07:30 03:15:23 31.51 100 km VIP
7126 1203 » Obeloer, Frank 11:07:30 03:11:12 32.20 100 km
2 1 » Schulz, Andrea 11:07:30 03:15:23 31.51 100 km VIP
254 115 » Demant, Harald 11:49:47 03:54:00 40.31 155 km
322 139 » Stenzel, Andreas 11:51:25 03:55:39 40.03 155 km
8 5 » Schröder, Thorsten 11:53:09 04:04:07 38.64 155 km VIP
1028 332 » Wittmann, Jörg 12:09:57 04:14:12 37.11 155 km

Ralph wurde wegen der unsinnigen Regelung, dass man als gemeldeter “155er” nicht nach 100 km ins Ziel fahren darf, disqualifiziert.

Ein tolles Rennwochenende liegt hinter uns. Die Fotos werden nach und nach gesichtet, bearbeitet und ausgetauscht. Die NormalitĂ€t hat uns wieder. Aber diese Erfahrung ist – und bleibt – im Kopf!

P.S.: 1. möglicherweise habe ich einige Ereignisse chronologisch nicht ganz exakt wiedergegeben. Die Konzentration auf das Fahren hat viele andere EindrĂŒcke verdrĂ€ngt. 2. weitere Fotos des Teams und der Cyclassics auf den Fotoseiten in BikeBlogBerlin

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Wir spenden Leben bei den Cyclassics 2011

Geschrieben von bikeblogger am 17. August 2011 | Abgelegt unter Jedermann-Rennen

Der Countdown lÀuft! Am kommenden Sonntag (21.08.2011) startet das Team Wir spenden Leben bei den Vattenfall Cyclassics in Hamburg mit insgesamt 15 Fahrern. Wieder wird das Team von Prominenten verstÀrkt:

 

© Andreas Stenzel / BikeBlogBerlin

© Andreas Stenzel / BikeBlogBerlin

 

Hier die Startaufstellung des Teams:

55 km:

  • Kurt Bodewig
  • Britta MĂŒnster
  • Nicole Strobel

 

100 km:

  • Po Keung Cheung
  • Andreas Fuhrmann
  • Thomas Hartmann
  • Frank Obeloer
  • Werner Schlepphorst
  • Andrea Schulz
  • Ingo Zamperoni

 

155 km:

  • Harald Demant
  • Thorsten Schröder
  • Andreas Stenzel
  • Jörg Wittmann
  • Ralph Wittmann

 

Mehr Informationen ĂŒber Wir spenden Leben gibt es auf der WsL-Website.

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