Monatsarchiv für Juni 2010

Rock ‘n Road Trentino

Geschrieben von bbbaschtl am 15. Juni 2010 | Abgelegt unter Reisen mit dem Rennrad, Training und Fitness

So lautet das Motto des Hotels Cristallo in Levico Terme im Trentino, wo ich das letzte, verlängerte Wochenende mit 7 Rennrad-Kollegen aus Augsburg bestens untergebracht war (Video im eigenen Blog).

1. Tag: Auer – Faedo – Giovo – Cavalese – Truden – Auer

Vom Treffpunkt Auer ging es auf dem sch√∂n angelegten Etsch-Radweg flach bis San Michele. Im Aufstieg nach Faedo √ľberholte uns ein wei√ühaariger Italiener mit einem ausgewaschenen Profi-Trikot aus den 80ern und Beinen wie der amtierende italienische Senioren-Bergmeister. Ich fuhr ein St√ľckchen mit ihm mit und erfuhr, dass ihm unser geplanter Aufstieg zu steil sei und er vorher abbiegen werde. Immerhin sei er bereits 71 Jahre alt und zeigte mir zum Beweis sogar unaufgefordert seinen Ausweis. :-)

Auffahrt nach Faedo

Nachdem der alte Herr abgebogen war, schraubte sich das Str√§sschen tats√§chlich ca. 1km lang¬† mit 18% nach oben und forderte ihr erstes Opfer: J√ľrgen brachte die Kurbel nicht mehr rum und drehte um.

Abfahrt von Truden

Der Rest fuhr auf Nebenstrassen √ľber Giovo weiter nach Cavalese, √ľber den kaum sp√ľrbaren Passo San Lugano (1.097m) hin√ľber, hinauf in das Bergdorf Truden und √ľber ein steiles Str√§sschen in der einsamen Gegend des dortigen Naturparks bergab zur√ľck nach Auer. 4:36h 102km 1.688hm Sportics.net Aktivit√§t


2. Tag: Kaiserjägerweg und Marcesina-Hochebene

Eine der wenigen geteerten ehemaligen Milit√§rstrassen im Trentino ist der sogenannten Kaiserj√§gerweg, der von Caldonazzo (470m) √ľber gut 10km hinauf zum Monterovere (1.255m) f√ľhrt. Die Strasse verl√§uft zun√§chst ziemlich breit im Wald, wird dann im mittleren Teil immer enger und steiler und ist teilweise mit prachtvollen Ausblicken auf den See in den Fels gehauen.

Auf dem Kaiserjägerweg

Weiter ging es unter Begleitung eines Cannondale-fahrendenden Italieners, der mit landestypischer Begeisterung Fluffys Rad derselben Marke erkannt hatte (“Cannondale numero uno!”) zum Passo die Vezzena (1.403m), offensichtlich ein beliebter Motorradfahrer-Treffpunkt. Nach einer langen Abfahrt auf rustikaler Asphaltierung kehrten wir am Dorfplatz in Asagio zu “Spaghetti ragu” ein.
Der Junior-Chef unseres Hotels Daniele Acler hatte uns als Tipp eine neu gebaute Strasse zwischen Strigno und Gallio beschrieben. Nach einiger Suche entdeckten wird den Einstieg dazu hinter Foza und erreichten nach 300 H√∂henmetern eine bizarre Hochebene auf ca. 1.350m mit einer felsbrocken√ľbers√§aten Wiesenlandschaft. Mitten darin liegt v√∂llig einsam das Albergo Marcesina. Von der dortige Wirtin erfuhren wir, dass unsere geplante Abffahrtstrecke nach Strigno f√ľr Radfahrer gesperrt ist, und die Strasse √ľberhaupt nur Einheimische ben√ľtzen d√ľrfen. Aha, deshalb hatte uns Daniele die Tour wohl in umgekehrter Richtung empfohlen…

Marcesina Hochebene

Tats√§chlich stand am Beginn der Abfahrt auch ein un√ľbersehbares Verbotsschild. Aber es half nichts, jetzt umdrehen kam nicht in Frage. Ausgesprochen vorsichtig bremsten wir uns auf dem schmalen,¬† fast senkrecht in den Fels gehauenen Str√§sschen √ľber 19 Kehren 1.100hm ins Tal hinunter. Offensichtlich zuviel f√ľr Fluffys Hinterreifen: Plattfuss. Obwohl uns zwei entgegenkommende Autofahrer unmissverst√§ndlich auf das Radfahrverbot aufmerksam gemacht hatten, empfingen uns im Tal¬† keine Carabinieri zwecks Ahndung der √úbertretung. Auf dem durchgehenden Radweg im Val Sugana ging es dann mit R√ľckenwind zur√ľck nach Levico Terme.¬† 5:31h 115km 2.083hm Sportics.net Aktivit√§t


3. Tag: Passo Manghen

1.600hm am St√ľck und angebliche 3.000hm insgesamt, diese Fakten spalteten unser Team. Die eine H√§lfte wollte sich das nicht antun und entschied sich f√ľr eine kleinere Tour √ľber den Passo del Redebus (1.453m). Die anderen wollten auf den 2.040m hoch gelegenen Passo Manghen und die Befahrung entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Auffahrt von Castelnuovo aus war zwar 23km lang, aber √ľberwiegend nur m√§√üig steil. Die angegebenen 15% werden wohl nur im oberen Bereich erreicht.

Manghen Passhöhe

Wenige Meter nach der Passh√∂he befindet sich das Refugio Manghen, wo wir uns kurz f√ľr den Rest der Tour st√§rkten. Ausweislich der Tourenbeschreibung bei gpsies.com sollten auf der 40km langen Abfahrt durch das Tal von Molina nach Civezzana ein stetiges Auf und Ab mit ca. 1.400 restlichen H√∂henmetern auf uns warten.

Abfahrt vom Manghen Pass

Bei der Gesamth√∂henmeterangabe der Tour hat sich aber wohl ein kleiner Rundungsfehler eingeschlichen, denn tats√§chlich ging es – abgesehen von zwei kleinen Gegenanstiegen – ausschlie√ülich bergab.¬† Trotz Gegen- oder Seitenwind eine ideale Rollerstrecke f√ľr einen ehemaligen Stra√üenvierer-Meister. :-)
Sp√§testens jetzt wurde klar, dass die Entscheidung, die Tour entgegen dem Uhrzeigersinn zu fahren, richtig war. Anders herum w√§re die Angelegenheit wohl recht z√§h geworden. Bei Slacche f√ľhrte der GPS-Track von gpsies.com leider auf die f√ľr Radfahrer gesperrte Hauptstrasse zwischen Trento und Caldenazzo. Nach kurzer Suche fanden wir aber einen parallel verlaufenden Radweg und landeten schlie√ülich auf dem westlichen Weg um den Caldonazzo-See. Im Schlussanstieg zum Hotel trat Max pl√∂tzlich ins Leere: Kettenriss. Der √∂rtliche Bike-Laden montierte ihm noch am Samstag Abend (!) eine neue Kette und stellte auch noch die Schaltung richtig ein. Top-Service. 5:14h 118km 2.239hm Sportics.net Aktivit√§t


4. Tag: Kaiserjägerweg Teil 2

Zum abschließenden Bergrennen auf der reizvollen Auffahrt des Kaiserjägerwegs traten noch 6 der 8 Recken an. Max und Ralph fuhren schon zu Beginn ein hohes Tempo und so zog sich das dezimierte Feld rasch auseinander. Irgendwie musste das Gewitter in der Nacht zuvor Erdverschiebungen verursacht haben, denn die Rampen im mittleren Teil kamen mir um einige Prozente steiler vor. Vielleicht lag es aber auch nur an dem um 30 Р40 Schläge höheren Puls als 2 Tage zuvor. Schließlich war nach 44min der Scheitel- und Wendepunkt am Spiazo Alto erreicht. 1:30h 27km 930hm Sportics.net Aktivität

bbbaschtls Mountainbike und Rennradblog ‚Äď Radfahren im Allg√§u

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